Terminal 1A - Flughafen Wien 

An architektonischer Raffinesse wurde gleichwohl nicht gespart. Im Gegenteil: Der Terminal 1A erweckt geradezu den Eindruck, als ob der provisorische Charakter des Gebäudes den architektonischen Ehrgeiz und den Willen zum formalen und materiellen Experiment angestachelt hätte.
Der Terminal 1A steht gegenüber den bestehenden Terminals auf einem Parkdeck: ein minimalistischer Baukörper von überraschend grossen Ausmassen.

Ein leicht wirkender Körper, der mit seiner Haut aus Polycarbonatplatten transparent und licht wirkt. Ein Bau, der dadurch, dass er auch ein wenig an ein Zelt erinnert, seinen vorläufigen Charakter nicht leugnet und sich zugleich durch klare Linien auszeichnet. Und der durch die Materialität und die ausgefeilten Details dennoch eine gewisse Repräsentativität ausstrahlt – etwa durch das unaufdringlich dynamische Grafikkonzept des Pariser Büros intégral ruedi baur & associés.

Besondere Aufmerksamkeit erregt die Gliederung der Fassade. Eine geometrisch klare Einstülpung bewirkt, dass die Perspektive optisch auf dynamische Weise verändert wird. Die Flächen wirken grösser – und laden mit einer Art offenen Geste dazu ein, durch das Doppelportal einzutreten, das sich in der Fassade befindet, ein wenig aus der Mitte gerückt.

Wie bei einer grossen Laterne zeichnet sich nachts die künstliche Beleuchtung an der Fassade als eine Art Schattenspiel ab. Tagsüber scheint das helle Tageslicht in die grosszügig und gediegen wirkende Schalterhalle. Die Passagiere werden von einem ruhigen Raum empfangen und erhalten durch das sorgfältig gestaltete Mobiliar aus Holz nie den Eindruck, durch ein billiges Provisorium geschleust zu werden. Wohl eher prägt sich ihnen das Bild einer speziellen Raumerfahrung und vor allem das einer aussergewöhnlichen Erscheinung ein.

Auftraggeber
Flughafen Wien AG

Architekt
Jost Kutter im Auftrag von Itten+Brechbühl AG
Baumschlager Eberle GmbH

Baubeginn
2005

Inbetriebnahme
2005

Geschossfläche
1500 m2

Bauvolumen
9700 m3

Fotos
Roman Boensch, Wien

Text
Konrad Tobler, Bern

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